Hirschbiegel + Grundstein | Kolumne: Das nicht Fassbare fassen
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25 Mrz Kolumne: Das nicht Fassbare fassen

Zeitung TheaterManagement AktuellAls Kolumnist für das Fachmagazin TheaterManagement aktuell wirft H+G-Geschäftsführer Matthias Hirschbiegel Schlaglichter auf aktuelle Themen der Kultur- und Veranstaltungsbranche.

Ich lerne und verstehe durch Reiz und Reaktion. Fehlt jedoch der Reiz, findet gemäß dem Modell des Behaviorismus auch kein Lernen statt. Wenn dieses Lernmodell die Gesamtheit der menschlichen Lernmechanismen erklärte, hätte ich ein ernsthaftes Problem: Eine Situation müsste jeweils durchlebt werden, um Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Diese Vorgehensweise erscheint mir alleine gesehen biologisch nicht sinnvoll. Glücklicherweise hat der Mensch auch andere Methoden des Lernens entwickelt: Wir lernen ebenfalls durch Beobachtung und Übertragung, wie uns die Lerntheorie des Kognitivismus erläutert. Doch wie können wir Gefühle wie Liebe, Wut, Demut, Hass oder ethische und demokratische Wertvorstellungen beobachten, um sie zu übertragen?

Die Kommunikation innerhalb des Familienverbunds ist vielerorts heutzutage sehr eingeschränkt. Auch unsere Printmedien, das Fernsehen oder das Internet sind hier denkbar ungeeignet. Instagram und Facebook können diese Inhalte nur höchst unvollkommen vermitteln. Selbst die durchschnittliche Dauer eines YouTube-Videos ist für die Vermittlung solcher Inhalte nicht ausreichend. Verstehen Sie mich bitte richtig, ich bin ein Befürworter neuer Technologien, wenn diese Positives hervorbringen.

Für die Vermittlung von Themen, deren Inhalte nicht in wenigen Zeichen einer Twitter-Nachricht vermittelt werden können, benötige ich Entschleunigung und Konzentration. Das visuelle und akustische Erleben einer Geschichte im Theater in einem Moment, der es mir gestattet, mich auf nichts anderes zu konzentrieren, ist jedes Mal wieder aufregend intensiv. Der Grund hierfür liegt nicht zuletzt in der gleichzeitigen Inanspruchnahme mehrerer Kommunikationskanäle. So gestaltetes Hören, Sehen und Fühlen ist, durch Menschen vermittelt, die ihre Profession darin sehen, in der Lage, Gefühle und Wertvorstellungen zu transportieren. So lässt sich das nicht Fassbare fassen.